1. September 2026 · 5 Min Lesezeit

Das Strandbad: Wenn der perfekte Platz immer drei Handtücher weiter ist

Handgezeichnete Kinderbuch-Szene: überfüllte Liegewiese am See, Vater schleppt riesige Kühlbox, Mutter cremt Kind ein, Kinder rennen zum Wasser, Murmeli bewacht Handtücher mit Pfeife, Grummeli sitzt mit Kaffee auf einem Klappstuhl

Das Strandbad ist keine komplizierte Sache. Man braucht: einen See, Handtücher, Sonnencreme, etwas zu essen, und die Bereitschaft, einen Grossteil des Tages auf einer Wiese zu sitzen und Kinder beim Schwimmen zu beobachten. Was man unterschätzt, ist alles, was zwischen „gute Idee" und „wir sind jetzt wirklich am Wasser" passiert.

Der Strandbad-Tag ist in seiner Einfachheit eine der verlässlichsten Urlaubsformen. Er braucht kein Programm, kein Ticket, keine Voranmeldung. Er braucht gutes Wetter, eine Kühlbox, und jemanden, der sich bereit erklärt, diese Kühlbox zu tragen. Der Rest ergibt sich.

Abschnitt 1

Die Platzfrage

Das Strandbad öffnet um neun. Man kommt um halb elf. Zu diesem Zeitpunkt ist die Liegewiese zu einem guten Drittel belegt, was bedeutet: genug freie Stellen, aber keine davon ist perfekt. Einer will Schatten — die Platane links. Eine andere will nahe am Wasser — das Stück Rasen direkt an der Absperrung. Die Kinder wollen beim Sprungbrett sein. Man geht einmal die Länge der Wiese ab, schaut, vergleicht, diskutiert kurz. Dann entscheidet man sich für einen Platz, der einen Kompromiss darstellt: halb Schatten, halb Sonne, ungefähr fünfzig Meter vom Wasser, dreissig Meter vom Sprungbrett. Fünf Minuten später liegt eine Gruppe mit sechs Personen und einem Bluetooth-Lautsprecher genau zwischen einem und dem Sprungbrett. Man könnte umziehen. Man tut es nicht. Man richtet sich ein.

Grummeli kommentiertDer ideale Platz am Strandbad existiert. Er ist immer dort, wo gerade jemand anderes liegt.

Abschnitt 2

Die Kühlbox

Die Kühlbox wurde am Vortag gepackt. Sie enthält: Wasser in Flaschen, Saft für die Kinder, Weintrauben, Käse, Brot, etwas zum Aufschneiden, eine Avocado, die noch nicht ganz reif ist, und Eis am Stiel. Die Kühlbox wiegt beim Tragen ungefähr so viel wie ein mittlerer Kinderwagen. Einer trägt sie vom Parkplatz bis zum Platz. Dieser Weg dauert vier Minuten und fühlt sich länger an. Am Platz angekommen stellt man fest, dass die Kinder bereits Hunger haben, obwohl sie vor einer Stunde gefrühstückt haben. Man packt die Kühlbox aus. Das Brot ist etwas gequetscht. Die Avocado ist immer noch nicht reif. Das Eis am Stiel ist noch hart. Die Kinder nehmen das Eis trotzdem und laufen damit in Richtung Wasser.

Grummeli kommentiertDie Kühlbox hatte Rollen. Die Rollen funktionierten auf Rasen überhaupt nicht.

Abschnitt 3

Das Eincremen

Vor dem Baden wird eingecremt. Das ist keine Frage, das ist eine Tatsache. Die Frage ist: wer cremt wen ein, in welcher Reihenfolge, und wie lange dauert das. Erwachsene cremen sich selbst ein — das geht schnell, ausser an den Stellen, die man nicht gut erreicht und für die man jemand anderen braucht. Kinder cremen sich nicht selbst ein; sie laufen beim Eincremen weg, drehen sich im falschen Moment, oder sagen, sie hätten die Creme schon drauf, was nicht stimmt. Das Eincremen mit zwei Kindern dauert, wenn man es einigermassen gründlich macht, ungefähr zwölf Minuten. In dieser Zeit sind die Kinder dreimal in Richtung Wasser gestartet und dreimal zurückgeholt worden. Am Ende steht man mit weissen Händen und dem Gefühl, einen kleinen Wettkampf gewonnen zu haben.

Grummeli kommentiertSonnenschutzfaktor 50. Ich habe trotzdem einen Sonnenbrand bekommen. An der Stelle, die ich selbst nicht erreiche.

Abschnitt 4

Die Stunden am Wasser

Die Kinder schwimmen. Die Erwachsenen beobachten. Das ist das Grundprinzip eines Strandbad-Tages, und es funktioniert über weite Strecken gut. Man sitzt auf dem Handtuch, trinkt Wasser, schaut auf den See, und die Kinder tauchen, springen, treiben auf dem Rücken. Irgendwann geht man selbst ins Wasser. Das Wasser ist kühler als erwartet, aber nicht kalt — man geht rein, schwimmt kurz, dreht um. Man fühlt sich danach besser als davor. Am Nachmittag wird es voller auf der Wiese. Die Gruppe mit dem Lautsprecher wechselt die Playlist. Die Kinder haben neue Bekannte gefunden — zwei Kinder aus der benachbarten Familie, mit denen sie seitdem gemeinsam spielen. Man weiss nicht, wie das begonnen hat. Es hat einfach begonnen.

Grummeli kommentiertDas Wasser hatte 22 Grad laut Schild. Es hatte nicht 22 Grad. Es hatte gefühlt 17 Grad. Ich bin trotzdem reingesprungen.

Abschnitt 5

Das Rausgehen

Kurz nach vier sagt jemand, man könnte langsam machen. Die Kinder hören das Wort „gehen" und reagieren, als hätte man angekündigt, das Strandbad abzureissen. Man verhandelt. Die Kinder dürfen noch einmal springen. Dann noch einmal. Dann ist es wirklich Zeit. Man sammelt die Handtücher ein — eines ist feucht, eines ist sandig, eines fehlt kurz und taucht dann unter der Kühlbox auf. Man packt die Kühlbox wieder: weniger drin als am Morgen, leichter beim Tragen. Das Brot ist aufgegessen, der Saft ist leer, die Avocado ist jetzt tatsächlich reif. Man isst sie stehend, mit einem Löffel, auf dem Heimweg zum Parkplatz. Die Kinder laufen voraus. Man folgt, Kühlbox hinter sich her, und denkt, dass es ein guter Tag war. Keine Höhepunkte. Kein Programm. Nur ein See, ein Handtuch und genug Zeit.

Grummeli kommentiertDie Kinder waren um vier Uhr nicht müde. Sie waren um fünf im Auto eingeschlafen. Ich habe es notiert.

Was der Strandbad-Tag eigentlich ist

Kein Ausflugstag braucht weniger Planung und gelingt trotzdem so verlässlich wie ein Tag am See. Man kommt, man richtet sich ein, man schwimmt, man isst, man geht. Die Kinder sind zufrieden. Die Erwachsenen sind erholt. Der Platz war nicht ideal, die Kühlbox zu schwer, das Eincremen nervig — und trotzdem: man würde es nächste Woche wieder machen.

Bei planaway lässt sich auch der Strandbad-Tag abstimmen: Welcher See, welcher Tag, wer bringt die Kühlbox, wer kümmert sich um den Sonnenschutz. Bevor man losfährt, weiss man schon, wer die Avocado einpackt und ob sie dieses Mal rechtzeitig reif sein wird. Wahrscheinlich nicht. Aber man kann es versuchen.

Murmeli mit Badetuch und Trillerpfeife

Murmeli hat die Handtücher bewacht. Alle Handtücher. Auch die der Nachbarsfamilie. Er konnte nicht anders. Es ist sein Naturell.

Grummeli mit Kaffee nach dem Strandbad