9. September 2026 · 5 Min Lesezeit

Der Restaurantbesuch: Fünf Erwachsene, vier Kinder, drei Meinungen, eine Rechnung

Handgezeichnete Kinderbuch-Szene: Belebtes Urlaubsrestaurant — Eltern und Kinder an einem grossen Tisch, die Kinder inspizieren die Speisekarte mit Stirnrunzeln, ein Kind zeigt auf etwas am Nebentisch, Murmeli sitzt als geduldiger Kellner daneben mit Notizblock

Der Restaurantbesuch im Urlaub ist eine eigene Kunstform. Man sucht, man wartet, man bestellt dreimal und ändert einmal die Meinung. Und am Ende sitzt man draussen, das Essen ist weg, der Wein ist gut, und man weiss nicht mehr, warum das alles so kompliziert war.

Essen gehen mit der Familie ist nicht dasselbe wie essen gehen. Es ist eine koordinierte Unternehmung mit mehreren Meinungen, unterschiedlichen Hunger-Zeitplänen und mindestens einem Kind, das genau dann seine Bestellung ändert, wenn der Kellner den Stift zückt. Das ist normal. Das gehört dazu. Und es lohnt sich trotzdem — meistens sogar genau deshalb.

Abschnitt 1

Die Suche

Um achtzehn Uhr möchte man «irgendwo essen gehen». Das klingt einfach. Es ist nicht einfach. Der eine möchte griechisch, der andere hat gestern griechisch gegessen. Eines der Kinder will Pizza, aber nur eine bestimmte Pizza, nicht diese Pizza hier. Man läuft die Strandpromenade ab. Vor jedem Lokal bleibt man kurz stehen, liest die Tafel, schaut hinein und geht weiter. «Das war auch nicht schlecht», sagt jemand über das dritte Lokal. Man ist jetzt beim fünften. Beim siebten einigt man sich auf das zweite. Man kehrt um. Das zweite Lokal ist jetzt voll. Man setzt sich ins erste.

Grummeli kommentiertIch hatte das erste direkt vorgeschlagen. Ich habe dreiunddreissig Minuten auf meine Notiz gewartet. Die Notiz war richtig.

Abschnitt 2

Die Speisekarte

Die Speisekarte ist in drei Sprachen verfasst — keine davon ist die eigene. Man entschlüsselt «gambas al ajillo» und kommt zu einem befriedigenden Ergebnis. Die Kinder bekommen die Kinderkarte: sechs Gerichte, alle in irgendeiner Form Nudeln oder Pommes. Eines der Kinder möchte vom Erwachsenenteil bestellen. Alle anderen möchten das auch, aber nur weil das erste Kind es gesagt hat. Der Kellner kommt zweimal, bevor alle bereit sind. Beim dritten Mal ist man bereit, aber das jüngste Kind ändert seine Meinung genau in dem Moment, in dem der Kellner den Stift zückt. Man entschuldigt sich. Der Kellner lächelt auf eine Art, die man nicht einordnen kann.

Grummeli kommentiert«Gambas al ajillo» sind Knoblauchgarnelen. Das steht im Kleingedruckten. Ich habe das gelesen. Zwei Personen am Tisch mögen keinen Knoblauch. Ich habe das nicht erwähnt.

Abschnitt 3

Die Wartezeit

Das Essen kommt in Wellen. Zuerst die Kinderportion, weil die Küche weiss, was sie tut. Die Kinder essen vier Bissen und sind dann fertig, während die Erwachsenenportionen noch irgendwo in der Küche sind. Jetzt sitzen die Kinder fertig da und die Erwachsenen warten. Jemand gibt einem Kind sein Handy. Sofort möchten alle Kinder ein Handy. Man hat nur zwei Handys und vier Kinder. Das ist kein Rezept für Frieden. Dann kommt das Essen — alles gleichzeitig, auf zu kleinen Tabletts, die der Kellner mit einer Geschicklichkeit balanciert, die man bewundern würde, wenn man nicht gerade versuchte, Platz für die Schüsseln zu schaffen.

Grummeli kommentiertDie durchschnittliche Wartezeit war achtzehn Minuten. Mir kam es länger vor. Ich habe die Zeit gemessen. Ich messe immer.

Abschnitt 4

Das Essen

Es ist gut. Das ist das Unerwartete an dieser ganzen Unternehmung: Es schmeckt. Nicht spektakulär, aber ehrlich — das Brot ist warm, der Wein ist kalt, die Pommes sind knusprig genug, dass das Kind, das eigentlich die Erwachsenenportion wollte, jetzt doch mit seinen Nudeln zufrieden ist. Irgendwann hört man auf, die Situation zu verwalten, und isst einfach. Die Kinder reden miteinander. Die Erwachsenen reden miteinander. Draussen wird es langsam dunkel, und die Lichter der Promenade beginnen sich im Wasser zu spiegeln. Das ist der Moment, auf den man gewartet hat, ohne es zu wissen.

Grummeli kommentiertDie Garnelen waren korrekt zubereitet. Ich hatte auf Schnitzel umgesattelt. Das Schnitzel war ebenfalls korrekt. Ich registriere keine Reue.

Abschnitt 5

Die Rechnung

Die Rechnung kommt ungefragt, was in der Region Sitte ist. Sie liegt auf dem Tisch, während noch Wein im Glas ist, und alle schauen sie an, ohne sie anzufassen. Das ist ein stilles Ritual: Wer nimmt die Rechnung zuerst? Schliesslich greift jemand danach — und dann greifen alle gleichzeitig danach. Man einigt sich auf Teilen, man rechnet kurz, man stellt fest, dass «Teilen» bei einer unterschiedlich grossen Runde rechnerisch schwieriger ist als gedacht. Man rundet auf. Man gibt dem Kellner mehr Trinkgeld als geplant, weil der Abend gut war und das Lächeln am Ende echt gewirkt hat. Man geht raus in die warme Nacht und weiss nicht mehr genau, warum die Suche so lange gedauert hat.

Grummeli kommentiertIch habe die Rechnung geprüft. Sie war korrekt. Ich hätte auf einen Fehler zu meinen Gunsten gehofft. Nichts.

Was der Restaurantbesuch wirklich ist

Ein Abend im Restaurant ist kein Abendessen. Er ist ein gemeinsamer Rhythmus, der sich zwischen Bestellung und Rechnung einstellt — wenn man aufgehört hat zu planen und einfach sitzt. Die Suche davor ist Teil davon. Die Kinderportion zuerst, die Rechnung danach — das alles ist der Abend, nicht nur das Essen.

Bei planaway lässt sich das Abendessen vorher abstimmen: Griechisch oder Fisch? Strandpromenade oder ruhige Gasse? Wer trägt die Rechnung, wer rechnet durch? Das sind keine komplizierten Fragen. Sie fühlen sich nur kompliziert an, wenn man hungrig ist und vor dem siebten Lokal steht. Vorher abgestimmt, besser eingecheckt.

Murmeli prostet mit einem Glas Wein zu

Murmeli hat das erste Lokal vorgeschlagen. Murmeli hat im ersten Lokal gegessen. Murmeli war um neunzehn Uhr fertig und zufrieden. Murmeli sagt nichts. Murmeli hat das nicht nötig.

Grummeli notiert Wartezeiten und Rechnungsbeträge