30. August 2026 · 5 Min Lesezeit

Die Apotheke: Was man braucht, wenn der Urlaub medizinisch wird

Handgezeichnete Kinderbuch-Szene: Murmeli steht mit einem kleinen Erste-Hilfe-Koffer neben einer Familie an einem Apothekentresen; eine Mutter mimt mit Gesten Bauchschmerzen für eine geduldige Apothekerin; Grummeli hält skeptisch eine unbekannte Medikamentenpackung hoch und hebt eine Augenbraue; im Hintergrund Regale mit bunten Produkten und einem Apothekenkreuz

Es gehört zum Familienurlaub wie das Kofferpacken und der Stau auf der Autobahn: Irgendwann braucht jemand etwas aus der Apotheke. Ein Kind hat Fieber. Ein Erwachsener hat Sonnenbrand. Das letzte Pflaster ist verbunden. Man macht sich auf den Weg in eine Apotheke, die man nicht kennt, mit Produkten, die man nicht kennt, und erklärt in einer Sprache, die man kaum spricht, was man braucht.

Es klappt fast immer. Apotheekerinnen und Apotheker in Touristenregionen haben viel Übung mit Gästen, die mit Gesten kommunizieren. Die Produkte sind oft dieselben — anderer Name, gleicher Wirkstoff. Man kommt zurück mit dem, was man brauchte, plus einem kleinen Abenteuer, das man abends beim Essen erzählt.

Abschnitt 1

Die Symptom-Beschreibung ohne Worte

Man steht am Tresen und weiss, was man braucht. Das Problem ist, es zu erklären. Die Apothekerin spricht Italienisch, etwas Englisch, kein Deutsch. Man selbst spricht Deutsch, schulisches Englisch, drei Wörter Italienisch — von denen zwei „prego" und „grazie" sind. Also beginnt man zu gestikulieren. Man zeigt auf den Bauch. Man macht eine Grimasse, die Schmerzen ausdrücken soll, aber eher wie verblüfftes Staunen wirkt. Man zieht die Kinder ran als Beweis: „Sie. Bauchweh. Heute Nacht." Die Apothekerin nickt verständnisvoll. Sie hat das schon hundert Mal erlebt. In zwei Minuten liegt das richtige Mittel auf dem Tresen. Man weiss nicht, welchen Wirkstoff es hat. Man kauft es trotzdem. Das ist Vertrauen.

Grummeli kommentiertIch habe Magenprobleme auf Englisch erklärt. Die Apothekerin hat auf Französisch geantwortet. Irgendwie haben wir uns verstanden.

Abschnitt 2

Die Marken, die man nicht kennt

Zuhause greift man zum Mittel, das man kennt. Im Urlaub stehen andere Packungen im Regal. Gleicher Wirkstoff, anderer Name, anderes Design. Man dreht die Packung um, sucht nach dem Wirkstoff, findet ihn auf der Rückseite in winziger Schrift. Ibuprofen ist Ibuprofen, egal ob die Packung grün oder gelb ist. Paracetamol heisst in manchen Ländern anders, ist aber dasselbe. Man lernt das jedes Mal neu. Das Kinderfiebermedikament sieht anders aus als das, das man kennt — aber die Apothekerin sagt, es sei besser. Man kauft es. Und dann sitzt man abends im Ferienhaus und googelt die Inhaltsstoffe mit dreissig Prozent Roaming-Daten, weil man es doch wissen möchte.

Grummeli kommentiertZuhause: drei Minuten. Im Urlaub: zwölf Minuten plus Fotos von der Packung, die ich meiner Schwiegermutter schicke.

Abschnitt 3

Was man vergessen hat

Die Hausapotheke für den Urlaub ist ein Projekt. Man packt sie sorgfältig: Pflaster in verschiedenen Grössen, Schmerzmittel, etwas gegen Durchfall, Sonnenschutz, Mückenschutz, Verband für alle Fälle. Dann kommt man an und stellt fest: Ohrentropfen wären gut. Ein Thermometer auch. Die Pinzette für Dornen. Das Mittel gegen Übelkeit im Auto, das man jedes Jahr braucht und jedes Jahr vergisst. Die Apotheke schliesst um sieben Uhr abends und um zwölf Uhr mittags hat sie zwei Stunden Mittagspause. Das ist kein Problem — bis es ein Problem ist.

Grummeli kommentiertIch habe die Hausapotheke auf einer Liste. Die Liste war zuhause auf dem Schreibtisch. Die Apotheke war hier.

Abschnitt 4

Die Öffnungszeiten

Apotheken im Urlaub haben Öffnungszeiten, die sich an einem Rhythmus orientieren, den man erst nach drei Tagen versteht. Mittags zu. Sonntags zu. Feiertags zu. Manchmal Samstagnachmittag zu. In manchen Ländern gibt es einen rotierenden Dienst — eine Apotheke pro Bezirk hat auch am Sonntag offen, und man findet die Liste auf einem ausgedruckten Zettel an der Tür der geschlossenen Apotheke, die man zuerst aufgesucht hat. Das führt durch eine Altstadt, an der man interessante Dinge sieht, während das Kind auf dem Arm Fieber hat und man eigentlich schnell sein wollte. Man findet die Apotheke. Man bekommt das Mittel. Man kommt zurück. Abends hat man eine Geschichte zu erzählen.

Grummeli kommentiertNotdienst: zwölf Minuten zu Fuss durch die Altstadt. Das Kind war danach müde. Ich auch.

Abschnitt 5

Der Sonnenbrand-Fall

Der Klassiker: Man hat Sonnencreme aufgetragen. Man hat vergessen, nach dem Schwimmen nachzucremen. Man hat den Moment verpasst, wo die Schultern zu brennen begannen. Am Abend sind sie rot. Am nächsten Morgen sind sie sehr rot. Die Apotheke empfiehlt eine Creme. Sie kühlt, beruhigt, riecht leicht medizinisch. Man trägt sie auf, und für drei Stunden ist alles besser. Dann brennt es wieder. Das ist die Lektion über Sonnenbrand: Man kann ihn behandeln, aber nicht rückgängig machen. Die Creme hilft. Der Urlaub geht weiter. Man cremt nächsten Tag zweimal nach.

Grummeli kommentiertDie Apothekerin hat mich angeschaut und ohne Worte zur After-Sun-Creme gegriffen. Der Sonnenbrand war offenbar selbsterklärend.

Die Apotheke als Reise-Zeuge

Was die Urlaubs-Apotheke über Familien verrät: Man kommt zusammen durch schwierige Momente. Jemand ist krank, jemand holt das Mittel, jemand kocht Tee, jemand hält die Hand. Der Urlaub läuft weiter, meistens. Und manchmal ist der Krankheitstag der Tag, an dem man am meisten zusammenrückt.

Bei planaway kann man festhalten, wer für was verantwortlich ist — auch für die Hausapotheke. Wer sie zusammenstellt, wer sie kontrolliert, wer beim nächsten Mal daran denkt, die Ohrentropfen einzupacken. Die Apotheke im Urlaub findet man selbst.

Murmeli mit Erste-Hilfe-Koffer

Murmeli hat die Hausapotheke dabei. Er hat auch die Ohrentropfen. Und eine Pinzette. Und Fieberthermometer. Und Schmerzmittel. Er ist vorbereitet.

Grummeli mit Kaffee nach dem Apothekengang